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EU first, Marktöffnung please

China hat kürzlich weitere Maßnahmen zur Marktöffnung angekündigt. Für die EU wäre der Zeitpunkt ausgesprochen günstig, dieses Mal dranzubleiben und ihre Industrien in Stellung zu bringen.

Der Staatsrat hat am 12. Januar 2017 „Einige Maßnahmen zur weiteren Öffnung für ausländisches Kapital und zu dessen energischer Nutzung“ erlassen (国务院关于扩大对外开放积极利用外资若干措施的通知). Der Zeitpunkt war wohl nicht ganz zufällig gewählt, denn nur 5 Tage später hielt Staats- und Parteichef Xi seine vielbeachtete Rede in Davos. Nach einem grundsätzlichen Plädoyer für Freihandel erwähnte er darin ausdrücklich, China werde seine Türen weit offen halten für ausländische Investitionen.

Dass weit in diesem Zusammenhang relativ ist, muss wohl auch der chinesischen Führung aufgefallen sein. Denn tatsächlich beklagen sich ausländische Investoren zunehmend über schlechtere Bedingungen und Marktbarrieren. Da kommt man besser nicht mit leeren Händen, die Maßnahmen sehen ja schwarz auf weiß Öffnungen vor. Aber sind die bloß Schall und Rauch?

Im Wesentlichen sollen der Fertigungs- und Dienstleistungssektor weiter geöffnet und der faire Wettbewerb besser geschützt werden. An sich ist es nicht neues, dass China nicht mehr die günstigste Werkbank der Welt sein möchte und stattdessen mehr auf High-Tech, Effizienz und Nachhaltigkeit setzt und dies entsprechend fördert. Daher sollen nun auch Bereiche wie Industriedesign, Ingenieurberatung, Logistik, Test- und Prüfwesen geöffnet werden. Ebenfalls sollen in den Sektoren Öl und Gas, also auch Bergbau, weitere Erleichterungen stattfinden.

Interessanter sind die vorgesehenen Öffnungen im Dienstleistungssektor, insbesondere was Banken, Investment- und Hedgefonds, Verwaltungsgesellschaften, Terminhandelsunternehmen, Versicherungsgesellschaften und –vermittler, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung, Bauverwaltungen und Ratingagenturen angeht. Es ist sogar die Rede davon, dass Telekommunikation, Internet, Kultur, Erziehung und Transportwesen Schritt für Schritt für ausländische Investoren geöffnet werden.

Ebenfalls mit großer Hoffnung dürfte vernommen werden, dass der faire Wettbewerb zwischen in- und ausländisch investierten Unternehmen geschützt werden soll. Selbst staatliche Beschaffungsaufträge sollen diesem Prinzip folgen. Ausländische Unternehmen sollen außerdem gleichberechtigten Zugang zum Kapitalmarkt erhalten, also an die Börse gehen und Fremdfinanzierung erhalten können.

Ist das etwa alles zu schön um wahr zu sein? Es scheint nicht so, die anhaltende Kritik wurde offenbar aufgenommen. Vor allem dürfte wahrgenommen werden, dass wegen der ASEAN-Freihandelszone AFTA zunehmend Kapital nach Südostasien fließt und selbst heimische Unternehmen ihre Produktionsstandorte dorthin verlagern. Wobei es zunehmend weniger nur um den Kostenfaktor und unkomplizierte Produkte geht. Ebenfalls ist innerhalb Chinas eine weitere Sättigung erreicht, die nicht an einem toten Punkt enden soll. Das Dokument wird daher auch vom NDRC als richtungsweisend bezeichnet und geht durchaus auf eine langfristige Strategie zurück (näher dazu hier).

Dass für die EU manches nicht so klappt in China geht auf die bewährte Methode „teile und herrsche“ zurück. Denn auch bei den Chinesen ist angekommen, dass die EU kein homogenes Gebilde mit einer Stimme ist. Nun aber hat sich mit Trump ein neuer Faktor entwickelt, der die EU als verlässlichen Handelspartner in eine günstige Position bringt. Gerade weil er sich am Ende wohl als Papiertiger erweisen wird, gilt es nun die Gunst der Stunde zu nutzen.

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Didi und Uber glücklich vereint?

Gerade erst hat sich die chinesische Regierung zu einer Neuregelung des Taximarktes durchgerungen. Nun muss sie darüber befinden, ob die zwei größten Rivalen am Markt künftig ein Monopol bilden und als solches ebenfalls einer Regulierung bedürfen.

In Deutschland war die geplante Fusion von Edeka und Tengelmann das jüngste Beispiel für einen Deal, der auf wettbewerbsrechtliche Bedenken stieß – und stößt. Im Vergleich zu Didi und Uber geht es dabei zwar nur um „Peanuts“. Vergleichbar ist dennoch die Tatsache, dass am Ende eine erhebliche Markmacht steht, die möglicherweise zu einer Verzerrung des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs führt. Insofern könnte sich auch die großmundige Ankündigung der Übernahme von Ubers Chinageschäft durch Didi als etwas verfrüht erweisen.

Nach den einschlägigen Bestimmungen des Staatsrats von 2008 (国务院关于经营者集中申报标准的规定) ist von einer meldepflichtigen Konzentration am Markt die Rede, wenn entweder alle Beteiligten einen weltweiten Jahresumsatz von mindestens 10 Mrd. RMB oder in der VR China einen Jahresumsatz von mindestens 2 Mrd. RMB erreichen, wobei mindestens zwei der Beteiligten mindestens 400 Mio. RMB Jahresumsatz in China erreichen müssen. Maßstab ist jeweils der Gewinn des vorangegangenen Jahres.

Zwar erreichte Didi 2015 einen Gewinn von über 6 Mrd. RMB, Uber allerdings könnte in China unter der Grenze von 400 Mio. RMB geblieben sein, denn zumindest hat es dort bislang keinen Gewinn gemacht. Sogar weltweit betrachtet kann Uber 2015 kein positives Ergebnis vorlegen. Daher wurde von Uber und Didi im Rahmen der Übernahmeankündigung auch dargelegt, dass hier keine Meldung bei und Einbeziehung der Wettbewerbsbehörden notwendig werden würde. Nur 2 Tage später widersprach dem allerdings das zuständige Ministerium: Ohne eine Meldung kein Deal.

In den chinesischen Medien viel diskutiert wird nun die Frage, inwiefern die genannten Bestimmungen, immerhin 8 Jahre alt, auch für die Sharing Economy gelten, bei der hohe Summen durchgeschleust werden, ohne aber als Gewinn dazustehen. Oder was überhaupt den relevanten Markt darstellt, auf dem Wettbewerbsverzerrungen entstehen. Denn Didi bietet nicht nur Taxidienste an, sondern auch verschiedene andere Fahr- und Fahrzeugdienste.

Tatsächlich sind hier viele Fragen offen. Denn die oben erwähnten Bestimmungen geben auch vor, dass unabhängig vom Umsatz im Falle sich ergebender Beweise für eine tatsächliche oder auch nur mögliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ebenfalls eine meldepflichtige Konzentration vorliegt. Zumindest bei Limousinen wird Didis Marktanteil derzeit auf 85,3% geschätzt, der von Uber auf 7,8%. Zusammen 94% klingt schon recht dominant. Andererseits wäre es höchst ungewöhnlich, dass sich chinesische Unternehmen ohne vorherige Rücksprache mit den Behörden einen solchen Deal ausdenken. Es bleibt also spannend.