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Handelskonflikt, Währungskonflikt, Rezession, Hongkong…sollte man jetzt noch in China investieren?

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China dauert nun bereits fast zwei Jahre. Und es sieht nicht danach aus, als ob er bald enden würde. Wer hierzulande glaubt, als lachender Dritter davon profitieren zu können, sollte zweimal nachdenken.

Der im Januar 2018 mit US-Importzöllen begonnene Handelskonflikt hat die (wirtschafts-) politische Landschaft bereits verändert. Mittlerweile sind die Aufschreie verstummt, es hat ein gewisser Gewöhnungseffekt an die neue Situation eingesetzt. Abschrecken lassen sich die wenigsten China-Investoren, zu wichtig ist der Markt. Es war ja schließlich schon immer speziell, in China Geschäfte zu machen. Dabei waren die Aufschrei durchaus beabsichtigt und auch berechtigt.

Produktion für den Export

Kürzlich hat der US-Präsident ausgesprochen, was vermutlich langfristiges Anliegen sein dürfte: Amerikanische Unternehmen sollen nicht mehr in China produzieren. Das tun sie ohnehin immer seltener, allein die in China deutlich gestiegenen Lohnkosten haben viele von ihnen nach Südostasien getrieben. Importzölle für Produkte aus China, deren Obergrenze sich immer weiter nach oben verschiebt, besorgen ein Übriges.

Ähnlich sieht es für europäische Unternehmen aus, die in China für den Export produzieren. Unmittelbar betroffen sind zunächst nur diejenigen mit Produkten für den amerikanischen Markt. Jedoch wird es dabei kaum bleiben. Denn ein weiteres langfristiges Anliegen der USA dürfte sein, die EU und weitere Staaten wie etwa Japan, Korea etc. in dieser Frage auf ihre Seite zu ziehen und China damit aus der Weltwirtschaft zu entflechten.

Produktion für den chinesischen Markt

In vielen Fällen würden wir daher gegenwärtig nicht unbedingt zu einer Produktionsansiedelung alleine für den Export ermutigen. Anders sieht es aus mit einer lokalen Produktion für den chinesischen Markt. Zwar beklagen auch europäische Unternehmen regelmäßig Diskriminierungen unterschiedlicher Art, allen voran den Diebstahl geistigen Eigentum, das Fehlen von gleichberechtigtem Marktzugang und Subventionen für heimische Wettbewerber.

Jedoch sind ausländische Unternehmen, die ihre Produktion nach China verlagern oder bereits dort etabliert haben, immer noch gerne gesehen. In dieser Hinsicht gibt es keine Ausnahmen zum Rest der Welt. Und mit Blick auf faktische Marktbarrieren gegenüber ausländischen Herstellernkann es durchaus Sinn machen, vor Ort und als chinesisches Unternehmen zu produzieren. Gerne auch als Joint Venture, denn lokale Kontakte und Kanäle sind nach wie vor unerlässlich. Zu den speziellen Risiken und Verpflichtungen vor Ort kommen allerdings nun auch solche aufgrund des Punktesystems für gesellschaftliches Wohlverhalten (社会分制度).

ACFTA

Die Produktion innerhalb der ASEAN-Zone könnte eine weitere Alternative sein. Denn die Asian-China Free Trade Area (ACFTA) bietet weitgehende Handelserleichterungen ähnlich denen innerhalb der EU. ASEAN-Mitgliedsländer sind zudem von US-Handelszöllen verschont und stellen mit ihren jungen Bevölkerungen und teilweise gut ausgebildeten Fachkräften derzeit die Boom-Region Asiens dar.

Sourcing, R&D, Vertrieb, After-Sales

Einige Gegenden Chinas bieten nichtsdestotrotz einzigartige Cluster von hochspezialisierten Zulieferern. Gerade Auftragsproduktionen für den Export sind daher in manchen Bereichen nach wie vor empfehlenswert. Ansonsten hat sich China Inc. rasant weiterentwickelt und die ausländische Konkurrenz teilweise sogar hinter sich gelassen. Nicht umsonst haben Microsoft und andere IT-Unternehmen größere Entwicklungsabteilungen in China. Forschung und Entwicklung ist daher ebenfalls ein Bereich, in dem sich manches gemeinsame Projekt lohnen kann.

Niederlassungen für Vertrieb und After-Sales sind auch oft eine gute Idee, selbst wenn man den Vertrieb als solchen nicht (gänzlich) selbst organisiert. Denn der Markt hat bekanntlich seine Besonderheiten und die lokale Ansprache kann auch durch das geschickteste Marketing vom Ausland aus nicht immer gleichwertig ersetzt werden. Ebenso kann es vorkommen, dass es lokalen Fachkräften an Kompetenz und/oder Vertrauenswürdigkeit mangelt.

Hongkong

Hongkong ist traditionell eine wichtige Drehscheibe zwischen China und dem Rest der Welt, vor allem als Finanzplatz. Viele Unternehmen sowohl vom Festland als auch vom Ausland haben sich in Hongkong angesiedelt, denn es ist moderner, effizienter und offene. Die Gründung eines Unternehmens geschieht mit minimalem Aufwand, die Besteuerung ist vergleichsweise niedrig. Einen wichtigen Aspekt stellt auch die Möglichkeit dar, über eine Holding in Hongkong oder andere Vehikel Gelder vom Festland ins Ausland zu transferieren.

Eigentlich garantiert das Abkommen zwischen der VR China und Großbritannien innenpolitische Unabhängigkeit und Selbstbestimmung bis 2047 (一国两制). Das Abkommen wird allerdings nur formal gewahrt, wie man an den jüngsten Protesten von Hongkonger Bürgern erkennen kann. Was das für Unternehmen bedeutet, mussten jüngst Führung und Belegschaft von Cathay Pacific erleben. Insofern sollte man sich auch als Investor keinen Illusionen hingeben, wer in der Stadt das Sagen hat. Was indes nicht unbedingt eine überraschende Wendung darstellt und/oder die Geschäfte beeinträchtigt.

Ausblick

Die jüngsten Konflikte haben keine unmittelbar spürbaren Auswirkungen auf geschäftliche Entscheidungen. Denn sie stellen keine Reaktion auf veränderte Umstände dar, sondern können vielmehr als Reaktion auf die Nichtveränderung der seit langem beklagten Umstände verstanden werden.  Sollten sich in diesen Fragen doch Annäherungen ergeben, würde das auch für europäische Unternehmen nur Vorteile bringen. Falls nicht – eindeutig die wahrscheinlichere Variante – könnte uns ein Zeitalter drohen, das tatsächlich den Namen Wirtschaftskrieg verdient und in dem zwei klare Fronten erkennbar würden. Und dann irgendwann könnten sich auch europäische Unternehmen nicht mehr auf ihre Neutralität zurückziehen.